Medikamentenfälscher locken im Netz mit falschen Versprechungen

Hannover, 16.02.2021 – Gefälscht wird alles, wovon sich Kriminelle ein gutes Geschäft versprechen. Seit Jahren steigt die Zahl gefälschter Arzneimittel um ein Vielfaches – außerhalb der legalen Lieferkette. Denn das größte Einfallstor für Medikamentenfälschungen in Deutschland sind unseriöse Internet-Shops. Das Angebot reicht von Lifestyle-Medikamenten wie Potenzmitteln, gefälschten Antibiotika, hochpreisigen Krebsmedikamenten bis hin zu günstigen Schmerzmitteln. Doch Fälschungen sind nicht harmlos: Sie können einen falschen oder keinen Wirkstoff oder den richtigen Wirkstoff in der falschen Menge oder sogar schädliche Substanzen enthalten. Ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Arzneimittelfälschungen ist das im Februar 2019 eingeführte IT-System securPharm, das rund 2,1 Milliarden Packungsdaten (Stand: 31.12.2020) speichert und dem auch die 18.820 bundesdeutschen Apotheken vor Ort angeschlossen sind. Patienten sollten ihre eigene Gesundheit schützen und beim Medikamentenkauf immer auf seriöse Bezugsquellen achten, betont die Apothekerkammer Niedersachsen.

Definition Arzneimittelfälschung

Laut Weltgesundheitsorganisation liegt eine Arzneimittelfälschung vor, wenn ein Medikament in betrügerischer Absicht falsch gekennzeichnet wurde. Das deutsche Arzneimittelgesetz definiert eine Fälschung (§ 4 Abs. 40) als ein Arzneimittel mit falschen Angaben über:

  1. die Identität, einschließlich seiner Verpackung, seiner Kennzeichnung, seiner Bezeichnung oder seiner Zusammensetzung in Bezug auf einen oder mehrere seiner Bestandteile, einschließlich der Hilfsstoffe und des Gehalts dieser Bestandteile,
  2. die Herkunft, einschließlich des Herstellers, das Herstellungsland, das Herkunftsland und den Inhaber der Genehmigung für das Inverkehrbringen oder
  3. den Inhaber der Zulassung oderden in Aufzeichnungen und Dokumenten beschriebenen Vertriebsweg.

Legale Lieferkette bietet Schutz

Damit in Deutschland Fälschungen gar nicht erst in Umlauf geraten, setzen auf dem legalen Vertriebsweg Hersteller, Großhändler und Apotheker einen komplexen Maßnahmenkatalog mit Kontrollen und einer bewussten Auswahl der Handelspartner um. Der Apotheke vor Ort kommt in dieser Lieferkette ein besonders hoher Stellenwert zu, denn sie fungiert als Bindeglied zu den Patienten.
In der Apotheke vor Ort werden Medikamente in regelmäßigen Stichproben unter anderem auf Mängel bei der Herstellung, mögliche Transportbelastungen, unsachgemäße Lagerungsbedingungen beim Großhandel oder in der Apotheke überprüft. Diese Prüfung wird nach festgelegten Kriterien gemäß Apothekenbetriebsordnung durchgeführt und ergänzt die bereits beim pharmazeutischen Hersteller erfolgte Chargenkontrolle der Fertigarzneimittel (§§14 Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung / AMWH). Einen Verdachtsfall meldet die Apotheke immer an die zuständige Behörde. Gefälschte Präparate sind in der legalen Lieferkette Einzelfälle. 2016 wurden der zuständigen Arzneimittelkommission von den Apothekern beispielsweise nur 14 Verdachtsfälle über vermutlich gefälschte Medikamente aus ganz Deutschland gemeldet. Kein einziger Fall wurde bestätigt.

Zwei Jahre securPharm – für größtmögliche Sicherheit

In enger Zusammenarbeit machen sich Hersteller, Großhändler und Apotheker gemeinsam gegen Arzneimittelfälschungen stark. Das präventive digitale Fälschungsschutzsystem securPharm für die Umsetzung der EU-Fälschungsschutzrichtlinie ging im Februar 2019 an den Start. Ihm sind Pharmaunternehmen, pharmazeutische Großhandlungen, Kliniken und Apotheken angeschlossen. Das IT-System sieht vor, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel, die von den Pharmaherstellern in den Verkehr gebracht werden, mit zwei zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen versehen werden. Das betrifft auch bestimmte Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind, jedoch auffallend oft gefälscht werden. Die aufgebrachten Merkmale werden vor der Abgabe an den Patienten in der Apotheke überprüft: visuell und digital – ein Schutz, auf den sich Patienten verlassen können.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.800 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter www.apothekerkammer-nds.de.

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Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen

Foto von Ron Hardies / Manuel Grieß