Gichtanfall während der Feiertage? Erste Hilfe bekommen Sie in der Apotheke

Weihnachten bedeutet für viele Menschen besonders eins – genüssliches Speisen im Kreise ihrer Lieben. Während die Gemütlichkeit in den eigenen vier Wänden zunimmt, nehmen die sportlichen Aktivitäten während der Weihnachtszeit ab. Die Kombination aus reichhaltigem Essen, Alkohol und Mangel an Bewegung kann allerdings schmerzhafte Gichtanfälle begünstigen, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen.

Warum der Zeh glänzt

Zu viel Fleisch und Alkohol können bei einigen Menschen Gicht auslösen, denn durch das erhöhte Eiweißangebot kombiniert mit dem „Einschmelzen“ von körpereigener Muskelsubstanz bei mangelnder Bewegung steigt der Harnsäurespiegel stark an. Außerdem bildet der Körper vermehrt sogenannte Ketone, welche verhindern, dass die Harnsäure ausgeschieden wird. Häufig wird dann der große Zeh immer dicker und fängt durch die Schwellung der gespannten Haut an zu glänzen. Warum es dabei oftmals insbesondere den großen Zeh trifft, ist Gegenstand mancher Hypothese. Offensichtlich fallen die belastenden Harnsäurekristalle eher in Gewebe mit niedriger Temperatur aus. Andere Expert:innen vermuten einen physiologischen Schutzmechanismus: Durch eine Ablagerung in den „entfernteren Gelenken“ schützt sich der Körper vor noch problematischeren Schädigungen, z.B. des Herzens.

Was Betroffene kurzfristig gegen die Schmerzen tun können

Um die Schmerzen im Rahmen einer Ersten-Hilfe möglichst rasch zu lindern und die Entzündungskette zu stoppen, empfehlen Apotheker:innen die Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac. Diese sind in jeder Apotheke schnell zu bekommen und über die Feiertage bei den Notdienstapotheken zu erhalten. Auch die Ruhigstellung des Zehs mit einer Kühlkompresse schafft Linderung. Unbedingt sollten Betroffene sofort auf Alkohol und auf Getränke, die mit Fructose angereichert sind, verzichten sowie den Kaffeekonsum einschränken. Innereien, Meeresfrüchte, Fleisch und tierische Fette sind ein No-Go. Diese Lebensmittel können den Gichtanfall noch verstärken. Stattdessen sollten bei einem akuten Gichtanfall viel Gemüse und Salat gegessen werden. Die Reste der Weihnachtsgans müssen erst einmal ins Gefrierfach.

Ein Arztbesuch ist ratsam

Tritt kurzfristig keine Besserung ein, ist ein sofortiger Arztbesuch unbedingt ratsam. Mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten Kortison, Colchicin und nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) ist der akute Gichtanfall vom Mediziner meist rasch in den Griff zu bekommen. Nach den Weihnachtsfeiertagen sollte dann ohnehin ein Arzttermin vereinbart werden, um abzuklären, ob ein grundsätzliches Risiko einer erhöhten Harnsäurekonzentration im Blut besteht. Denn neben ungesunder Lebensweise sind gleichermaßen genetische Faktoren für eine Gichterkrankung verantwortlich.

Bleibt die Gicht unbehandelt, drohen Nierensteine und letztendlich Nierenschäden. Ebenso steigt das Risiko, an einem Herzinfarkt, an einem Schlaganfall oder an einer peripheren arteriellen Durchblutungsstörung zu erkranken. Mit der Ärztin oder dem Arzt muss geklärt werden, ob mit einer harnsäuresenkenden Therapie begonnen werden muss.

Welche Nahrungsmittel sollten Betroffene vermeiden?

Nach den Weihnachtsfeiertagen sollten sich Betroffene einmal grundsätzlich Gedanken machen, wie sie ihre Lebensgewohnheiten und hier vor allem die Ernährung umstellen können. Bei den Genussmitteln sollten vor allem Alkohol und Nikotin vermieden werden. Es empfiehlt sich eine Umstellung auf purinarme Lebensmittel. Das heißt, vor allem Fleisch, Hülsenfrüchte, Spargel, Meeresfrüchte, Innereien, Fructose, Vollmilch mit hohem Fettgehalt, fettreiche Eier- und Mehlspeisen, Soja- und Weizenmehl vom Speiseplan zu streichen.

Wie kann man einem Gichtanfall vorbeugen?

Ein wesentlicher Risikofaktor ist Übergewicht. Wer einmal einen Gichtanfall hatte, sollte sein Gewicht reduzieren und sich grundsätzlich purinarm ernähren und regelmäßig den Harnsäurewert im Urin überprüfen lassen. Der Wert sollte bei Männern nicht über 7,4 mg/dl und bei Frauen bei höchstens 6,2 mg/dl liegen. Der optimale Wert für beide Geschlechter beträgt 5,5 mg/dl. Zur Regulierung des Harnsäurewerts kann es nötig sein, gezielt Medikamente einzunehmen. Die Apotheker:innen in der Apotheke vor Ort beraten Betroffene in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt gern bei Fragen zur Medikamententherapie. Bereitwillig und kostenfrei geben die pharmazeutischen Mitarbeitenden auch Alltags-Tipps: z.B. können eine regelmäßige körperliche Betätigung wie Nordic Walking und die Vermeidung von Stress und Aufregung vor weiteren Gichtanfällen schützen.

Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.800 Mitglieder an. Die Apothekerin und der Apotheker sind fachlich unabhängige Heilberufler:innen. Die Gesetzgebende hat den selbstständigen Apotheker:innen die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwerben die Studierenden Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhalten die Apotheker:innen eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung können sie eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist:innen für Gesundheit und Prävention beraten die Apotheker:innen kompetent und unabhängig. Apotheker:innen begleiten Patient:innen fachlich, unterstützen menschlich und helfen so, die Therapie im Alltag umzusetzen.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter www.apothekerkammer-nds.de.

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Quelle: Apothekerkammer Niedersachsen

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